Donnerstag, 7. April 2016

Interview mit Swen Harder




Hallo Swen,

Tanja und ich hatten ja die Ehre das Abenteuer in deinem Spielbuch erleben zu dürfen. Sehr gerne würden wir dir zu dieser nicht ganz so bekannten Art von Buch ein paar Fragen stellen. Wir freuen uns daher sehr, dass du dich bereit erklärt hast, an diesem Interview teilzunehmen.


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Magst du dich und dein Buch einmal in wenigen Worten unseren Lesern vorstellen?

Sehr gerne! Mein Name ist Swen Harder, bin Jahrgang 74 und stamme aus dem südhessischen Odenwald. Hauptberuflich arbeite ich als Spieletester bei Nintendo in Frankfurt am Main. In meiner Freizeit spiele ich gerne selbst Spielbücher, Rollenspiele aber auch Brett- und Kartenspiele.
Reiter der schwarzen Sonne ist ein sehr umfangreiches Dark-Fantasy-Spielbuch mit ausgeklügelten Innovationen und Regeln.




Für Leser, die noch nie etwas von einem Spielbuch gehört haben, kannst du ihnen sagen, was das so ungefähr ist?

Vereinfacht gesagt, sind Spielbücher interaktive Romane die in hunderte, durchnummerierte Absätze, die sogenannten Sektionen unterteilt ist. Am Ende einer Sektion wird der Leser vor eine Frage oder Aufgabe gestellt, dessen Beantwortung bzw. Lösung ihn zu einer anderen Sektion führt usw. Er springt quasi in dem Buch hin und her, bis er – hoffentlich – irgendwann das gute Ende erreicht. Das eigentlich spannende daran ist, dass der Leser das Gefühl vermittelt wird, maßgeblich die Story zu beeinflussen.



Wie bist du auf die Idee gekommen so ein Buch zu schreiben? / Was hat dich zur Entscheidung bewogen ein Spielbuch statt eines normalen Romans zu verfassen?

Spielbücher mit ihren multiplen Möglichkeiten der Storyentwicklung haben mich bereits seit Kindertagen fasziniert. Ich hatte als Teenager auch meine ersten eigenen (sehr kläglichen) Versuche unternommen, eines zu verfassen. Da ich eigentlich immer schon eigene Ideen für meine Rollenspielrunden im Freundeskreis zu Papier gebracht hatte, lag der Schritt es einmal mit einem Spielbuch zu versuchen, irgendwie auf der Hand.


(Eines der Bilder aus "Der Reiter der schwarzen Sonne")





Spielbücher ähneln in ihrer Art ja sehr dem Pen & Paper Rollenspiel, nur dass man dort einen
Spielleiter hat, der einem sagt, wie die Geschichte weitergeht. Welche Art des Spiels gefällt dir mehr und warum?

Da würde ich überhaupt keine Abwägung vornehmen wollen. Beide Ansätze haben ihre Existenzberechtigung. Der größte Unterschied ist freilich, dass man beim Pen & Paper von seinen Mitspielern und ihrer Zeit abhängig ist, während man ein Spielbuch jederzeit in die Hand nehmen kann.


Wie gestaltet sich das Schreiben eines solchen Spielbuchs? Schreibst du da einen
Handlungsstrang von Anfang bis Ende durch oder hast du da deine eigene Reihenfolge?

Ich habe in den vergangenen fünf, sechs Jahren etliche Autoren kennengelernt und erfahren, dass es keine allgemeingültige Herangehensweise zum Verfassen eines Spielbuchs gibt. Von Joe Dever, dem Einsamer-Wolf-Erfinder, weiß ich, dass er sehr fokussiert und planvoll an seine Bücher herangeht. Ich hingegen bin da sicher sehr chaotisch und an bestimmten Punkten der Geschichte kann es schon mal passieren, dass meine Charaktere ein Eigenleben entwickeln und den geplanten Verlauf über den Haufen werfen. Das ist stets ein sehr spannender Moment. Kurz: Als Spielbuch-Autor muss man nicht nur kreativ, sondern zudem sehr flexibel sein.



„Reiter der schwarzen Sonne“ baut auf einem sehr komplexen Regelwerk auf. Schön ist, dass man als Leser die Regeln während des Lesens nach und nach erlernen kann. Hast du die Regeln selbst entworfen oder hast du Anleihen an anderen Spielen genommen?

Ja, die Regeln sind komplett von mir entworfen und entwickelt worden. Sicher gibt es Anleihen an bestehende Regelmechanismen anderer Spielbücher sowie Rollenspiele, jedoch stand genau die Idee, ein Regelwerk zu erschaffen, das sowohl Anfänger an das Thema heranführt, ohne zu überfordern, als auch erfahrene Spieler herauszufordern, stets im Vordergrund. Und ich denke, das ist mir tatsächlich gelungen.


(So sieht die Specialedition des Spielebuchs aus)



Dein nächstes Werk „Metal Heroes – and the Fate of Rock“ wird vermutlich Ende Mai beim Mantikore-Verlag erhältlich sein. Kannst du uns schon ein wenig zu diesem Spielbuch verraten? Hast du dort neue Ideen zum Regelwerk eingeflochten? Was erwartet den Leser, worauf kann er sich freuen?

Metal Heroes geht in eine komplett andere Richtung. Sowohl inhaltlich, als auch vom Regelansatz. Man übernimmt die Geschicke von Taylor, einem Vollblutrocker und Volltrottel, dem eines Tages das Angebot unterbreitet wird, den amtierenden Rock-Gott zu beerben. Dazu muss es ihm bloß gelingen, eine miese Garagen-Band zum größten Metal-Act des Planeten aufzubauen...
Wie ihr seht, mit Fantasy im klassischen Sinne hat das recht wenig zu tun. Ich wollte einfach ein komplett neues Genre bedienen! Die Regeln selbst sind in drei Komplexitätsstufen eingeteilt. Je nach persönlichem Vorlieben darf man sich also entscheiden, mit minimalen Regeln oder eben mit der vollen Regel-Dröhnung zu spielen.




Wir haben gelesen, dass „Metal Heroes – and the Fate of Rock“ wieder eine CD mit Musik beiliegen wird. Diese Musik soll direkt mit dem Spielbuch verknüpft werden. Wie kann man sich das vorstellen?

Das stimmt. Es wird eine CD mit 12 echten Metal-Tracks dabei sein. An manchen Stellen der Geschichte wird man aufgefordert, einen bestimmten Song abzuspielen und bekommt dazu eine Frage bzw. Aufgabe gestellt. Der Leser beschäftigt sich also inhaltlich mit der Metal-Musik und deren Texten. Es ist jedoch nicht zwingend. Wer keinen Bock darauf hat, kann diese Stellen auch überspringen.


(Swen Harders neuestes Werk)



Tanja und mich würde sehr interessieren, wie du so arbeitest. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Nutzt du ein bestimmtes Schreibprogramm um deine Ideen zu ordnen? Gibt es andere Hilfsmittel, wie Karteikarten auf denen du dir wichtiges notierst und mit denen du einen besseren Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge behältst?

Ich glaube, nun werden viele enttäuscht sein. Ich habe weder Türme von Büchern, Pergamentrollen, noch einen kleinen Gnom-Schergen, der mir zuarbeitet. Nein, ich nutze einen PC mit handelsüblicher Software und Berge von Schmierpapier. Daneben nutze ich noch mein kleines Notizbuch, dass ich immer dabei habe, um spontane Ideen festzuhalten. Ich habe nämlich die Unart, tolle Ideen sofort wieder zu vergessen, sollte ich abgelenkt werden. Das kann eine Kleinigkeit sein, wie beispielsweise der gute Duft von Kaffee...




Besteht die Möglichkeit dich einmal „live“ kennenzulernen? Gibst du Signierstunden oder hältst du gar Lesungen ab?

Lesungen mache ich nur sehr selten. Dennoch gibt es die Möglichkeit mich zu treffen. Beispielsweise auf der RPC in Köln, der Spiel in Essen oder – und das ist am familiärsten – auf der MantiCon auf der Starkenburg in Heppenheim. Ein Wochenende mit netten Leuten, die sich dem Genre Spielbücher und Old-school-Rollenspiele verschrieben haben. Bei allen drei Veranstaltungen bin ich natürlich gerne bereit, in Bücher mit meinem Namen darauf reinzukritzeln.



Spielst du auch gerne selbst Spielbücher? Bestreitest du das Abenteuer gerne mit einer weiteren Person oder versuchst du dich lieber alleine durchzuschlagen?

Selbstverständlich spiele ich auch selbst Spielbücher. Zwar weiß ich sehr wohl, dass es viele Paare und Freunde gibt, die es lieben Solo-Rollenspiele gemeinsam zu spielen, ich lese sie jedoch bevorzugt alleine.




Zum Abschluss möchten Tanja und ich dir noch einmal herzlich dafür danken, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten und dass du uns ein paar spannende und schöne Momente mit deinem Buch geschenkt hast. Wir können abschließend jedem Leser nur empfehlen ein solches Spielbuch einmal auszuprobieren. Das „interaktive“ Lesen macht unglaublichen Spaß und lässt einen die Geschichte auf eine völlig neue Art erleben.


Für deine Zukunft wünschen wir dir weiterhin viel Inspiration für neue Geschichten und alles Gute auf deinem Weg als Autor.

Herzlichen Dank für die lieben Wünsche!


Wir danken dem Autor herzlichst für die Bereitstellung des Bildmaterials.




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