Donnerstag, 24. November 2016

**R** „Jackaby“ – von William Ritter

Ein Frosch, eine verzauberte Ente, jede Menge Geister und Jackaby




Erscheinungsdatum: 11.07.2016

Verlag: cbt

ISBN: 9783570310885

Sprache: Deutsch

Flexibler Einband 320 Seiten


„New Fiddleham 1892: Neu in der Stadt und auf der Suche nach einem Job trifft die junge Abigail Rook auf R. F. Jackaby, einen Detektiv für Ungeklärtes mit einem scharfen Auge für das Ungewöhnliche, einschließlich der Fähigkeit, übernatürliche Wesen zu sehen. Abigails Talent, gewöhnliche, aber dafür wichtige Details aufzuspüren, macht sie zur perfekten Assistentin für Jackaby. Bereits an ihrem ersten Arbeitstag steckt Abigail mitten in einem schweren Fall: ein Serienkiller ist unterwegs. Die Polizei glaubt, es mit einem gewöhnlichen Verbrecher zu tun zu haben, aber Jackaby ist überzeugt, dass es sich um kein menschliches Wesen handelt.“



Mit einem etwas altmodischen Schreibstil, aus dem ein ganz eigener Flair entspringt, landet man direkt in eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Nach den ersten Seiten, ist man direkt in der Geschichte angekommen und ertappt sich bei dem Gedanken, dass kaum ein Schreibstil besser zu einer Detektiv-Geschichte passen könnte. Sachlich, fachlich formulierte Sätze, hatten oft einen poetischen Klang und diese ungewöhnliche Kombination muss einem auch erst mal gelingen. Allerdings gelingt dem Autor nicht nur in dieser Hinsicht eine ungewöhnliche Kombination, sondern auch bei den Genres. Mit „Jackaby“ lässt man sich auf eine Mystery-Fantasy-Geschichte ein. Nicht selten wurde ich beim Lesen, an Sherlock Holmes erinnert und es ist schon ein wenig ironisch, etwas Sherlock-ähnliches zu schreiben und dann Fantasy mit einzubauen.

Das komplette Buch liest man aus der Sicht von der abenteuerlustigen Abigail Rook, die gerade erst mit dem Schiff in New Fiddleham angekommen ist. Ihr Vater ist ein Naturwissenschaftler und seit sie denken kann, ist es ihr Traum mit ihm einmal bei einer Ausgrabung dabei zu sein. Irgendwann war sie es dann auch einfach leid, immer abgeblockt zu werden nur, weil sie eine Frau ist. Also hat sie ihre sieben Sachen gepackt und hat sich in die Welt geschmissen. Man bemerkt schnell, dass Abigail sich vor Herausforderungen nicht drückt, gerne neue Sachen ausprobiert, ihr Dinge auffallen, die Anderen normalerweise entgehen würde und daraus auch Schlüsse ziehen kann. Zum Beispiel hat sie anhand der Anzahl von Briefkasten schnell erschließen können, wie viele Stockwerke ein Gebäude hatte. Eben diese abenteuerlustige, mutige Frau, landet nach mehreren Länderbesuchen irgendwann in England und trifft dort auf R. F. Jackaby.

R. F. Jackaby, der ihr nach Sekunden bereits sagen konnte, in welcher Reihenfolge sie in welchen Ländern in letzter Zeit war. Voller Erwartung sitzt man da und wartet auf seine erklärende Auflösung, um zu erfahren, an welchen Details er das alles erkannt hat und erhält dann Informationen zu Hausgeistern und Kobolden. Spätestens da merkt man, dass man sich auf eine völlig neue Geschichte eingelassen hat. Jedoch ist auch die Welt in der Geschichte, nicht vollkommen offen gegenüber Außergewöhnliches, die Jackaby so für sich wahrnimmt. Ergo, die Gesellschaft in der Geschichte glaubt nicht wirklich an Geister & Co. Im Allgemeinen ist Jackaby aber ein sehr gebildeter Mann, der sich der Wissenschaft verschrieben hat und somit genauso ernst über Blut, Wunden und Einsticharten spricht, wie über Banshees und Geister. Das und seine komplette Art, machen ihn schnell zum Verrückten in der Stadt und somit zum Eigenbrötler, aber auch zum Freigeist.

Schnell entwickelt sich aus den beiden, ein ungewöhnliches, aber harmonierendes Gespann und Abigail wird kurzerhand zur Assistentin auf Probe. Mit Abigails offenen, beobachtenden Charakter und Jackabys ernsten, fachlichen, relativ gefühlsdistanzierten Art über Morde, sowie Feen zu reden, entstehen immer wieder lustige Situationen oder Gespräche. Es schwingt eine gewisse Ironie durch die ganze Geschichte hindurch mit und lässt schnell Sarkasmus und Humor zum Wegbegleiter werden. Es hat wirklich seinen eigenen Charme, wenn man in einem komplett ernsten Gespräch plötzlich Humor entdeckt, der trotzdem noch zur Situation passt, man also gar nicht damit gerechnet hat. Ohne ein paar Lacher, kommt man auf jeden Fall nicht weg.

Als die Beiden in einen Serienmord verwickelt werden, kann man sich als Leser auf zerfetzte Leichen mit einem bestimmten Kennzeichen gefasst machen. Trotz dessen, werden die Leichen nie wirklich mehr beschrieben, als es für die weiteren (detektivischen) Ausführungen nötig  ist, wodurch es echt erträglich ist (und da bin ich sehr sensibel, also das soll was heißen!). Den Fall fand ich klasse, da auch ausnahmsweise Mal die Protagonistin realistische Erlebnisse durchleben. Sie geraten genauso in Verdacht, wie andere Charaktere, werden von der Polizei befragt oder kassieren hier und da mal eine Schramme oder Verletzung. Dieses Authentische hat mir so gut gefallen, allerdings liegt auch eben beim Fall mein einziger Kritikpunkt. Die Auflösung war mir bereits ungefähr zur Mitte klar beziehungsweise ich wusste wer der Mörder ist. Es wurden zwar Fährten gelegt, die den Leser in eine andere Richtung lenken sollte, aber trotzdem war es mir doch zu eindeutig.



Der Schreibstil ist absolut genial und versetzt einen in eine andere Zeit. Zusammen mit den Charakteren erlebt man Mysteriöses, Lustiges und findet sich oft wieder in einer verstrickten Situation. William Ritter hat seine Buchfiguren sehr lebendig und vielseitig beschrieben und auch den Verlauf einer solch gefährlichen Lebensweise, etwas realistischer dargestellt, als viele andere Autoren dieser Genre. Einzige Kritik von mir ist wohl, dass man doch noch viel zu gut auf den Täter kommen konnte.

P.S. Bei "Jackaby" handelt es sich um den 1. Band einer Reihe, jedoch kann man das Buch meiner Meinung nach, auch gut als in sich selbst abgeschlossen ansehen.


"Ich habe aufgehört, mich darum zu kümmern, wie etwas auf andere wirkt, Abigail Rook. Ich empfehle Ihnen, es ebenso zu halten. Nach meiner Erfahrung irren sich die anderen gewöhnlich."

"Ich bin kein kleines Kind mehr, Mr Jackaby. Ich kann meine Entscheidungen selbst treffen, auch die falschen."



( 4 / 5 Dschinn)


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Ob im Doppel-, Dreierpack oder in einem größeren Team, die Detektive sind in der Bücherwelt gerade wieder voll am kommen. Blutige Tatorte, Fallauflösungen, mysteriöse Begebenheiten und neue Adaptionen von Sherlock, lauern auf jeder Seite, an jeder Ecke. Ihr könnt von solchen Detektivgeschichten, ob mit Comedy, Fantasy oder Thriller Akzenten, nicht genug bekommen? Dann habe ich jetzt was Schönes für euch. Gemeinsam mit euch, möchte ich wieder eine kleine Bücherliste mit interessanten Detektivgeschichten zusammenstellen. Ein paar habe ich schon entdeckt und mit einem Klick aufs Cover, kommt ihr direkt zum Klappentext. Habt ihr noch ein paar Empfehlungen, die ihr dieser Liste gerne anhängen würdet?




Von der Liste habe ich bisher "Young Sherlock Holmes - Der Tod liegt in der Luft", "Digby #01" und "Lockwood & Co - Die seufzende Wendeltreppe" gelesen. Mein Favorit unter den Dreien ist definitiv "Digby", das Buch ist aber auch definitiv altersgerechter. Die zwei anderen Bücher, würde ich glatt 10 - 12-jährigen empfehlen, in dem Alter kommen die Bücher sicherlich spitze an.


Kennt ihr ein Buch aus der Liste? Wie hat es euch gefallen? 


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Kommentare:

  1. Huhu Leni,
    hm... bis vor wenigen Minuten war ich mir noch recht sicher, dass du das Buch bereits gelesen hattest. Da habe ich wohl irgenwas verwechselt. ...

    Mit deiner Bemerkung zum Schreibstil hast du mich sehr neugierig gemacht. Ich mag es sehr, wenn Schriftsteller gut mit Worten umgehen können. Aber auch die Geschichte an sich klingt total spannend. Eigentlich sind Detektivgeschichten nicht unbedingt was für mich. Hier könnte ich mir aber durchaus vorstellen eine Ausnahme zu machen.
    Ganz liebe Grüße Tanja

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    1. Huhu Tanja,

      bei welchem Buch warst du dir recht sicher, dass ich es bereits gelesen habe? =D

      Der Schreibstil war wirklich eines meiner Highlights bei diesem Buch. Natürlich handelt es sich hierbei immer noch um eine Detektiv-/Misterygeschichte, deswegen überwiegt natürlich nicht die poetische Seite, allerdings habe ich mir echt einige Sätze angestrichen oder herausgeschrieben. Es freut mich wirklich wahnsinnig, dass die Rezi dich auf das Buch neugierig machen konnte, obwohl das nicht so deine bevorzugte Inhaltsrichtung ist.

      Ganz liebe Grüße
      Leni c:

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