Missing Pa(i)ge
Erscheinungsdatum: 30.03.2026
Verlag: ONE
ISBN: 9783846603024
Sprache: Deutsch
Taschenbuch 464 Seiten
„Die 17-jährige Toni reist nach Schottland, um am Workshop eines Bestsellerautors teilzunehmen. In dem abgelegenen Herrenhaus eröffnet der kauzige Schriftsteller den Teilnehmenden: Er will dem größten Nachwuchstalent sein Vermögen vermachen! Die Jugendlichen stürzen sich in die Textarbeit. Doch während ein Sturm sie von der Außenwelt isoliert, geschehen rätselhafte Dinge: Das Personal verhält sich seltsam, jemand geistert durch die Gänge, und es kommt zu einem Einbruch. Schlafwandlerin Toni wird nachts von Albträumen geplagt - und als der Schreibkurs eine blutige Wendung nimmt, beginnen die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen ...“
Nachdem ich von „Hotel Ambrosia“ bereits so begeistert war, habe ich blind nach dem neuen Werk der Autorin gegriffen und „Missing Page“ liefert. Besonders gelungen fand ich die schaurige Atmosphäre, die durch die Seiten kriecht und langsam seine Klauen um dich schließt. Diesiges Wetter, ein Herrenhaus mit Giftgarten und Geistergeschichten, Personal, das optisch einem Cluedo Spiel entsprungen sein könnte, malte ein stimmungsvolles Bild, das mich verschluckt hat. Dabei ist das Herrenhaus voller Rätsel, fast wie ein riesen Escape Room.
Hier klettert Toni kurzerhand über den Zaun, um den Schreibworkshop eines bekannten Schriftstellers zu besuchen. Die Einblicke zum Schreiben, die Übungen und Tipps waren spannend zu lesen und sehr informativ. Doch Toni verfolgt noch eine eigene Agenda.
Für mich hatte der Plot einen besonderen Twist, da die Protagonistin nicht nur von Geheimnissen und Rätseln umgeben ist, sondern auch selbst eins ist. Doch auch die anderen Jugendlichen beim Workshop geben eine spannende Mischung ab. Darunter sind Krimi Roman- oder True Crime Fans, ein Medizinstudent oder gar die Tochter einer Polizistin. Eine Top-Kombination für blutige Tage. Und es wird blutig.
„»Wieso bringst du ein Messer zu einem Schreibkurs mit?« […] »Weil ein Bleistift, wenn du mich fragst, eine sagenhaft schlechte Waffe ist. Trotz aller klugen Sprichwörter.«“ – S. 115
Man möchte meinen, ich hätte nach dem ersten Buch von der Autorin daraus gelernt. Doch ich habe auch „Missing Page“ wieder am Abend gelesen. Es war absolut spooky. Zu einem großen Teil wegen des atmosphärischen Settings, zu einem anderen Teil wegen Tonis Albträumen am Abend beim Schlafwandeln. Dabei musste ich mich oft fragen: Passiert das gerade wirklich? Sind die Jugendlichen beim Workshop alleine? Oder sind Tonis Albträume realer als gedacht?
Bis zum Schluss streut die Autorin so viele Hinweise, dass das Miträtseln und Theorien aufstellen richtig viel Freude bereitet. Ihre Auflösung zieht einen roten Faden in die vorherigen Geschehnisse, auf die ich nicht gekommen wäre. Mir persönlich hat noch der überraschende „Oh-Aha-Wow“-Effekt gefehlt – der Plottwist, mit dem man gar nicht rechnet – das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau.
Insgesamt bleibt es ein tolles Buch für Krimi-, Thriller- und Rätselfreunde. Für mich besticht das Werk insbesondere mit seiner schaurigen Grundstimmung und dem bildhaften Herrenhaus voller Rätsel und verdrehter Hinweise. Jedoch auch mit einem interessanten Charakter-Mix, das die perfekten Voraussetzungen fürs Entschlüsseln bietet und gleichzeitig einige Verdächtige liefert. Das Ende ist schlüssig und auch wenn der überraschende Plottwist ausbleibt, zeichnet sich ein roter Faden im Geschehen ab.
( 4,5 / 5 Dschinn)





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