**R + Z** „Superior – Das dunkle Licht der Gaben“ – von Anne-Marie Jungwirth

Superkräfte, Antagonisten & Sarkasmus pur


Erscheinungsdatum: 08.07.2017

Verlag: Drachenmond-Verlag

ISBN: 9783959912112

Sprache: Deutsch

Flexibler Einband 344 Seiten




„Ein privilegiertes Leben und schier unbegrenzte Möglichkeiten – das bietet die Superior Human Society ihren Mitgliedern. Zumindest denen, die es wert sind …
„Du bist eine Superia, aber deine Gaben sind minderwertig.“ Unzählige Male hat die 20-jährige Amelia diesen Satz schon gehört. Und jedes Mal war sie froh darüber. Sie wollte nicht dazugehören. Sie wollte nicht die Pflichten. Sie wollte nicht, dass man ihr vorschrieb, mit wem sie sich paaren sollte. Doch was Amelia will, ist für eine Andere bestimmt. Und was man von ihr will, ist schlimmer als eine Zwangsheirat.“



Mit „Superior“ hat die Autorin bewiesen, dass sie ihren Büchern unterschiedliche Flairs geben kann. Ich durfte von Anne-Marie Jungwirth bereits das Debüt „Engelsstaub“ lesen und habe damals eine lockerleichte, humorvolle Geschichte erhalten. In diesem Werk wurde jedoch ein ganz anderer Ton angeschlagen. Dieses Buch ist etwas düsterer, reifer und grausamer.

In der Welt der Superior Human Society – kurz SHS – werden Menschen mittels ihres Scorings untereinander aufgeteilt. Je nachdem, wie wertvoll deine Gabe für die Gesellschaft ist, desto höher wirst du eingestuft. Superia sehen sich gerne selbst als perfekt an, sie sind perfekt, ihre Gesellschaft ist perfekt und das SHS sowieso. Doch am Ende sind sie doch alle irgendwo Menschen und welcher Mensch ist schon perfekt?

Amelia ist es auf alle Fälle nicht. Sie ist definitiv anders, als typische Protagonistinnen. In ihr steckt ein grundtief schwarzer Humor, viel Sarkasmus und eine unheimlich amüsante Zeitgenossin. Mit ihr trifft man auf kein zurückgezogenes Prinzesschen, auf keine Heldin mit weißer Blütenweste, viel eher ist Amelia eine sehr exzessive Frau, die weiß was sie will und sich auch genau das holt. Ihre Männer Errungenschaften, kann man sicherlich nicht mehr an einer Hand abzählen, Regeln sind dazu da von ihr gebrochen zu werden und wenn es möglich ist, geht sie Problemen aus den Weg. Sehr oft handelt sie impulsiv, also definitiv nicht durchdacht, wodurch sie in meinen Augen etwas unreif dargestellt wurde. Ansonsten ist gerade dies ihre Eigenschaft, die sie auf neue Abenteuer stoßen lässt und damit ist sie definitiv kein Musterbeispiel der SHS.

Die SHS bietet viele neue Ideen für den Leser. Es beinhaltet eigene Regeln, Verpflichtungen, Traditionen oder auch Feste. Wobei allein die Menschen, den Ideenreichtum der Autorin bereits deutlich machen. Superia können durch die Kraft ihrer Gedanken Menschen verletzen, sogar töten, andere können in dein Emotionsbild eintauchen oder durch eine Berührung allein, deine Vergangenheit vor Augen haben. Bisher hat mir der Ansatz dieser Welt sehr gut gefallen und ich hoffe sehr, dass wir Leser in den nächsten Bänden noch tiefer in das System blicken dürfen.

Nicht nur Amelias Sichtweise dürfen wir in diesem Band genießen. Als Leser dürfen wir auch durch die Augen von Nathan, Simone und Erika blicken.

Nathan ist oft ein sehr undurchdringlicher Charakter. Erst mit seiner Perspektive und seinen Gedanken wurde er greifbarer. Er arbeitet im medizinischen Bereich der SHS und wirkt mit seiner Gabe, Zusammenhänge in einer Rekordgeschwindigkeit zu erschließen, oft sehr rational. Bei Simone handelt es sich um die Mutter von Amelia. Definitiv ist auch sie kein Beispiel für die perfekte Mutter, jedoch merkt man sofort, dass ihre Liebe gegenüber ihrer Tochter echt ist. Am Ende bleibt natürlich noch der mysteriöse Charakter Erika. Wie sie ins Gesamtbild passt, ist nicht direkt klar, sondern vermittelt eher das Gefühl geheimer Machenschaften. Ihre Sichtweise hat von Anfang an Fragen aufgeworfen und bis jetzt betrachte ich sie mit neugierigen Augen.

In diesem Buch trifft man auf viele Charaktere, Nebencharaktere oder sogar gänzlich Randcharaktere. Der Autorin ist es gelungen, ihnen Leben und vor allem eine eigene Persönlichkeit einzuhauchen. Gerade die mehreren und unterschiedlichen Sichtweisen, haben unterschiedliche Portraits und eine authentische Umgebung erschaffen.

Viel interessanter fand ich es jedoch, dass man als Leser all diese Perspektiven erhalten hat und trotzdem durchgehend am Rätseln war, wer auf wessen Seite steht oder gar nur so tut. Vertrauen, Misstrauen und Intrigen geben sich durchweg die Hand. In mitten dieser scheinheiligen Welt eine Liebesgeschichte zu entwerfen, die auch noch authentisch wirken soll, ist aus meiner Sicht kein Zuckerschlecken. Frau Jungwirth ist dies ausgezeichnet gelungen und das, obwohl die Liebe immer eher den Subplot erhalten hat, Hut ab!



Ohne verschönernde Worte zu benutzen, entwickelt sich in „Superior“ eine erotische, ideenreiche Geschichte, die an die Seiten zu fesseln weiß. Die Handlung strotzt vor Spannung, doch die Charaktere zu entschlüsseln, hält fast noch mehr an der Stange. Letztendlich hätte ich mir bei Amelia etwas mehr Reife gewünscht, da dies zum restlichen Konzept der Geschichte sicherlich gut gepasst hätte, jedoch bin ich auch ein großer Fan ihrer perfekten Art in ihrer Unperfektheit. Eine Geschichte mit viel Flair, Spannung und unerwarteten Entwicklung. Große Empfehlung für Fantasy-, Erotik-, Superhelden- oder Sarkasmus-Liebhaber.



"Man durfte die Menschen nicht nur bloß ansehen, man musste in sie hineinsehen. Und genau das tat kaum jemand."

"Sein Leben so zu leben, dass man damit jedem gerecht wurde, war nicht nur unmöglich, es war schädlich."



( 4 / 5 Dschinn)


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© Meine Welt voller Welten


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